Die Skulpturen im Stadtmuseum
Aufgrund der Erbschaft der Schleswiger Bürgerin Jutta Engel-Spott konnte das Stadtmuseum Schleswig zwei größere Skulpturen für den Außenbereich des Museumsgeländes ankaufen. Ein Glücksfall, zumal in Zeiten, in denen Gelder für Kunstankäufe kaum noch zur Verfügung stehen. Die Wahl fiel zum einen auf die Skulptur Joy-Stick des bereits verstorbenen, universellen Künstlers Ben Siebenrock, zum anderen auf die extra für das Stadtmuseum angefertigte Skulptur Cosmic Messenger des auch international tätigen Bildhauers Jo Kley. Beide waren Studenten des angesehenen Bildhauers Professor Jan Koblasa und kannten sich auch persönlich. Ihre Skulpturen aus Findlingen werden die vielfältige Auswahl der bereits im Außengelände des Stadtmuseums aufgestellten Steinwerke aus Schalensteinen, Taufbecken, Granitlöwen und Grabskulpturen sehr bereichern. Sie verbinden Halt und Bodenständigkeit mit Dynamik und Energie in fester Gestalt.
Joy-Stick

Das Thema Hand findet sich in vielen Werken von Ben Siebenrock wieder. Für ihn spielte die Spur, die eine Hand hinterlässt, eine wesentliche Rolle. Der Abdruck einer Hand bildete für ihn einen Kontrast zwischen Material und Gestaltung. Siebenrock bearbeitete die natürliche Oberfläche von Findlingen nur minimal. Für seine Skulptur Joy-Stick, die er im Jahr 2004 geschaffen hat, legte er im Stein Aushöhlungen an, wodurch die Naturform des Steines an einigen Stellen durchbrochen wird, jedoch ohne die Grundform des Findlings zu zerstören. Die Steinform gleicht auf der Vorderseite dem Steuerknüppel eines Joysticks. Die rautenförmige Rasterung des Abdrucks erinnert allerdings an Griffschalen von alten Revolvern. Die Diamantenstruktur wurde von Ben Siebenrock eingearbeitet, um das Licht einzufangen und den Stein leichter wirken zu lassen. Siebenrock arbeitete in seine Skulptur Joy-Stick eine ergonomische Form ein, die jedoch ihren eigentlichen Zweck nicht erfüllen soll. »Man kann die Augen schließen und sieht die Skulptur dennoch über den Tastsinn. Im Zeitalter der visuellen Reizüberflutung wird dieser Aspekt immer wichtiger. Steine sind nicht virtuell, sondern doppelt real, sowohl optisch als auch haptisch.« (Ben Siebenrock)
Cosmic Messenger

Die ersten Skulpturen der Serie Cosmic Messenger entstanden während der Pandemie. Jo Kley verbrachte ein ganzes Jahr ohne Reisen und internationale Arbeitsaufenthalte in seiner Freiluftwerkstatt. Der Lockdown versetzte ihn in einen inspirierenden Ausnahmezustand. Er konzentrierte sich auf die Entwicklung einer neuen Skulpturenreihe. Seine kosmischen Botschafter muten wie Meteoriten an, die das Universum auf die Erde geschickt hat. In ihrem Inneren pulsiert Energie, die sich in den Spitzen der unterschiedlichen Steine einen Weg nach außen bahnt. Kley bearbeitet seine Skulpturen im letzten Schritt ohne den Einsatz von Maschinen und poliert die Oberfläche der Steine von Hand. Die Spitzen der Skulptur Cosmic Messenger, die er in diesem Jahr für das Stadtmuseum Schleswig angefertigt hat, sind feiner poliert als der Steinkörper. Der Sockelstein ist zum größten Teil naturbelassen. »Die Reduziertheit, die Einfachheit der Form, soll den Betrachter begeistern. Meine Kunst soll Spannung haben, die Skulpturen sollen atmen. Form und Oberfläche sollen zum Steinmaterial passen. Ich möchte spürbar, fühlbar machen, dass es richtig war, diesem Stein diese spezielle Form und Oberfläche gegeben zu haben. Ich möchte die Form, die Skulptur, mit Energie aufladen.« (Jo Kley)
Findlinge
Die Steine der Skulpturen von Jo Kley und Ben Siebenrock sind weit gereist und viele Milliarden Jahre alt. Um Findlinge ranken sich Mythen und Legenden. Die tonnenschweren Steine werden seit der Steinzeit für unzählige Bauvorhaben genutzt. Sie bestehen zum größten Teil aus kristallinen magmatischen und metamorphen Gesteinen wie Quarzit, Gneis und Granit. »Auf ihrem langen Weg von Skandinavien haben Findlinge in den Gletschern schon einen skulpturalen Prozess hinter sich gebracht. Die Erosion hat ihre eigene Ästhetik. Sie äußert sich im Hartgestein bis ins kleinste Kristallgitter und der unnachahmlichen Oberflächenstruktur, die Wind und Wasser durch Reibung und Temperaturunterschiede erzeugen. Der Regen hierzulande tut das Seine, um die Farbpalette noch abgestufter erscheinen zu lassen. Findlinge sind echte Individuen, obwohl manche weit voneinander gefundene Exemplare aus derselben geologischen Formation zu stammen scheinen.« (Ben Siebenrock)



