Stadtmuseum Schleswig

Der Günderothsche Hof

Wie beim benachbarten Schloss Gottorf bildet auch beim Stadtmuseum ein historisches Bauwerk die Kulisse für die Sammlungen: Der Günderothsche Hof in der Friedrichstraße gilt als einer der schönsten städtischen Adelshöfe in Schleswig-Holstein. Um 1634 ließ der Gottorfer Herzog Friedrich III. den rotgestrichenen Hauptbau des Anwesens als Gästepalais errichten. 1675 gelangte das Gebäude in den Besitz des herzoglichen Oberstallmeisters Friedrich von Günderoth, dessen Name bis heute mit dem Haus verbunden ist. Den heutigen geschlossenen Charakter einer allseitig umbauten Hofanlage erhielt der Komplex durch die beiden aus dem 18. Jahrhundert stammenden Fachwerkbauten, die das Haupthaus flankieren. In dessen Inneren beeindruckt die repräsentative Eingangshalle mit einer in dieser Form seltenen spätbarocken Treppenanlage. 1851 erwarb die Stadt Schleswig den Hof, der in den folgenden Jahrzehnten eine sehr wechselvolle Geschichte erlebte und seit 1932 das Museum beherbergt. Durch die Einbeziehung weiterer Gebäude in der Nachbarschaft vergrößerte sich nach 1950 der Ausstellungs- und Aktionsradius des Museums erheblich.

Die Geschichte des Museums

Das Stadtmuseum ist eines der traditionsreichsten Museen in Schleswig-Holstein. Die Anfänge reichen zurück bis in das Jahr 1879. Damals gründeten Schleswiger Bürger den „Verein für Sammlung und Konservierung vaterländischer Altertümer in der Stadt Schleswig“. Als 1892 eines der schönsten Anwesen in der Altstadt, das Gebäude Gallberg 3, von der Stadt für museale Zwecke zur Verfügung gestellt wurde, begann die eigentliche Erfolgsgeschichte des Stadtmuseums: Unter dem Namen „Altertumsmuseum“ entstand hier eine Dauerausstellung zur Geschichte, Kultur und Volkskunst Schleswigs und der umliegenden Region. Träger dieser Aktivitäten war ein im Jahr 1903 neu gegründeter Verein, der „Altertumsverein für Schleswig und Umgebung“.

1930 ließen die Ausgrabungen am Haddebyer Noor den Plan reifen, ein städtisches Haithabu-Museum in Schleswig aufzubauen. Dafür stellte der Magistrat 1932 den Günderothschen Hof in der Friedrichstraße zur Verfügung unter der Maßgabe, die Bestände des Altertumsmuseums mit aufzunehmen. So entstand 1934 das „Schleswig-Haithabu-Museum“.

Nach 1950 erfolgte unter der Bezeichnung „Städtisches Museum“ (seit 2001: Stadtmuseum) eine Neuausrichtung mit einer umfassenden Darstellung der Stadtgeschichte bis zur Gegenwart, ergänzt um Spezialsammlungen und Sonderausstellungen zu verschiedenen Themenbereichen. Heute präsentiert sich das Stadtmuseum mit einer Ausstellungsfläche von 1500 qm in fünf Gebäuden als eines der führenden kommunalen Museen in Schleswig-Holstein. Dependancen sind das Museum für Outsiderkunst und das Holm-Museum.

Das Palais

Dieses Gebäude stellt mit den stadtgeschichtlichen Schauräumen den Kern des Museums dar. Eine Audiovision mit dem Titel „Spuren einer bewegten Geschichte“ informiert am Beginn eines Rundganges durch die vier Geschosse unterhaltsam über die wichtigsten historischen Stationen Schleswigs, der ältesten Stadt in Nordeuropa. Die Schau ist auch in englischer und dänischer Sprache verfügbar. Der gegenüberliegende Ausstellungsbereich gibt mit zum Teil interaktiven computergesteuerten 3-D-Rekonstruktionen und Simulationen spannende Einblicke in die Zeit des Mittelalters, in der Schleswig als Hafen- und Handelsstadt eine bedeutende Rolle im nordeuropäischen Raum spielte.

Eine imposante spätbarocke Treppe mit Balustergeländer führt von der Eingangshalle in die oberen Etagen des Haupthauses. Im 2. und 3. Stockwerk steht die Stadtentwicklung vom 18. bis 20. Jahrhundert im Mittelpunkt. Thematische Schwerpunkte sind die konfliktreiche deutsch-dänische Vergangenheit, die Geschichte Schleswigs als Hauptstadt der preußischen Provinz Schleswig-Holstein, der Nationalsozialismus mit seinen Auswirkungen und der Neubeginn nach 1945. Spezielle Bereiche bilden u. a. das Kabinett mit wertvollen Schleswiger Fayencen, der Raum zur Geschichte der Fischersiedlung auf dem Holm und das Schleswiger Zimmer, das die Wohnkultur einer Bürgerfamilie in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts dokumentiert.

Eine umfangreiche Spielzeugsammlung, zusammengetragen von dem Schleswiger Kinderarzt Dr. Joachim Gunkel, wird im Dachgeschoss des Haupthauses präsentiert. „Die große Welt im Kleinen“ umfasst liebevoll ausgestattete Puppenhäuser, Papiertheater, Blechspielzeug, Schaukelpferde und Fahrzeuge vor allem aus der Zeit des ausgehenden 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Nachbauten historischer Spielzeuge fordern zum Ausprobieren heraus. An den interaktiven Stationen können Groß und Klein gemeinsam auf Entdeckungstour gehen.

Die Halle und der Stall

Ausstellungen zur Geschichte der Fotografie sowie Sonderschauen mit den Werken renommierter zeitgenössischer Fotografen setzen besondere Akzente im Ausstellungsprogramm des Stadtmuseums und werden bundesweit beachtet. Schauplätze dieser Angebote sind die Halle, ein ehemaliger Getreidespeicher, und das frühere Stallgebäude des Günderothschen Hofes.

Historische Druckerei

In einem weiteren Gebäude, der früheren Schule des Stadtteils Friedrichsberg, erinnert das Stadtmuseum mit seiner Historischen Druckerei daran, dass Schleswig im ausgehenden Mittelalter zu den Frühdruckorten (bis 1500) zählte und damit große Bedeutung hatte.

Friedrich von Günderoth

Portrait Friedrich von Günderoth
Porträt Friedrich von Günderoth von Jürgen Ovens aus dem Jahr 1671

Am Freitag, dem 11. Juli 2014, hat der Leiter der Fielmann-Niederlassung in Schleswig, Olaf Buhmann, dem stellvertretenden Bürgermeister der Stadt Schleswig, Stadtrat Helge Lehmkuhl, und dem Direktor des Stadtmuseums, Dr. Holger Rüdel, ein Gemälde des Malers Jürgen Ovens aus dem Jahr 1671 als Geschenk Günter Fielmanns überreicht.

Jürgen Ovens wurde 1623 in Tönning geboren und wurde jung nach Amsterdam in die Lehre gegeben. Hier entwickelte er sich zu einem gefragten Porträtmaler. 1651 siedelte er nach Friedrichstadt über, kehrte aber 1657 nach Amsterdam zurück. Er „wurde zum beliebten Modemaler, der die vornehmsten Bürger und hochstehende Persönlichkeiten porträtierte“, wie seine Biographin Gertrud Schlüter-Göttsche 1976 schrieb. 1663 wurde er Hofmaler des Herzogs von Schleswig- Holstein-Gottorf und kehrte in sein Heimatland zurück. Er starb 1678 in Friedrichstadt. Ovens gilt als der bedeutendste Maler des 17. Jahrhunderts in Norddeutschland.

Detail Porträt Friedrich von Günderoth
Detail Porträt Friedrich von Günderoth

Das Gemälde stellt den „Oberstallmeister, Jägermeister und Rittmeister der Leibgarde des Herzogs Christian-Albrecht“ Friedrich von Günderoth dar und ist auf 1671 datiert. Friedrich von Günderoth war der Eigentümer des nach ihm benannten Günderothschen Hofs in Schleswig. Das Gebäude beherbergt heute das Stadtmuseum Schleswig, so dass das Gemälde gewissermaßen nach fast 350 Jahren heimgekehrt ist.